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Marie Hart (1856 - 1924)
Die Schriftstellerin Marie Hart ist eine der bemerkenswertesten Figuren der elsässischen Mundartliteratur. Krieg und Zwietracht zwischen Deutschland und Frankreich haben ihr Leben zutiefst geprägt.
Ihr weitgehend autobiografisches, in ihre Heimatstadt Bouxwiller / Buchsweiler verwurzeltes Werk ist eine einzigartige Darstellung des damaligen Elsass.
Alle Erzählungen und Gedichte von Marie Hart, sie wurden einmal als Kleinmalerei des elsässischen Alltags bezeichnet, sind durch ihren unübertroffenen, lebenswarmen Humor und die feine Beobachtungsgabe eine wahre Quelle der Freude.
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Marie Hart erblickt am 29. November 1856 in Buchsweiler das Licht der Welt. Als zweite Tochter der kinderreichen Famile des Apothekers Louis Hartmann verbringt sie eine glückliche Jugend in der ehemaligen Hauptstadt des Hanauerlandes. Die Geschehnisse dieser Zeit schildert sie in G’schichtlen un Erinnerungen üs de sechziger Johr, (1911)
Der 1870ger Krieg setzt diesem sorgenfreien Leben ein Ende. Zwei Jahre später geht Marie Hart nach Straßburg um an der Lehrerbildungsanstalt zu studieren. Danach unterrichtet sie während zwei Jahren in Dresden.
1882 schockiert sie zutiefst ihre Familie, indem sie Alfred Kurr, einen 15 Jahre älteren deutschen Offizier, zudem noch geschieden, heiratet. Das Paar lässt sich in Mellau (Vorarlberg) nieder. 1885 kehren sie zurück ins Elsass, und zwar nach Lützelhausen (Breuschtal). 1895 ziehen sie nach Freilassing, in Bayern. Dort schreibt Marie Hart zuerst auf Hochdeutsch, bevor sie sich dem elsässischen Dialekt widmet.
Materielle Schwierigkeiten zwingen die Familie Kurr im Jahre 1908 nach Buchsweiler zurückzukehren. Dort eröffnet Marie Hart ein Schülerpensionat.
Nach Kriegsende wird ihr Ehemann ausgewiesen. Ausgestossen und verleumdet verläßt Marie Hart das Elsass und findet in Bad Liebenzell im Schwarzwald, wo Alfred Kurr bereits untergebracht ist, eine zweite Heimat.
Marie Hart stirbt in Bad Liebenzell am 30. April 1924.
In d´r Fremdi
Ich hab e neiji Heimet g´funde im guete, liewe Schwooweland,
denn mit d´r alten, erschte Heimet isch ju verrisse jedes Band.
Wie schön isch mini zweiti Heimet! Sie leijt eso romantisch do,
ganz mittlen in de Schwarzwaldberge; do word min Herz au wieder froh.
M´r geht spazieren in de Wälder, vergeßt, was ein e so bedrückt,
isch vun d´r Schönheit dere Gejed ganz hingerisse un verzückt.
Un doch kann ich dich nit vergesse, du arms betörtes Elsaßland!
Isch´s noch su schön im fremde Ländel, m´r isch doch Flüchtling un verbannt!
Es weht su kühl vum Schwarzwald runter! Ach! linder isch Vogeseluft.
Wie herrlich rieched Tannewälder! Doch fiiner isch d´r Reweduft.
M´r hört wohl Schwälwle hie un Amsle, doch fehlt d´r Naachtigalleg´sang.
Es fehlt d´r Storik uf d´r Kirich, un unte fehlt d´r Rewegang.
Ich weiß, ich wor´s ju nit erlewe, daß ´s Elsaß frei vum fremde Joch!
Un ehnder will nit heim ich kumme! Ich kann´s mit ansehn nit! - Un doch,
Wenn nooch mi´m Tod d´r Storik klappert, wenn d´ Rewe dufte würzig fin;
Im Mai, wenn d´Naachtigalle schaawe, fleijt mini Seel in´s Elsaß nin.
Richard Wolf
geboren 14.07.1900 in Bad Landeck/Schlesien
gestorben 13.11.1995 in Rottach-Egern/Tegernsee
Richard Wolf studierte in Leipzig Musik und Erziehungswissenschaft, war Lehrer in Sofia und Varna und Lektor für deutsche Sprache an Hochschulen und Instituten in China und Jugoslawien.
1946 kehrte Wolf nach Deutschland zurück und trat eine Stelle als Lehrer an der Schule in Bad Liebenzell an. Hier begann er mit dem Schreiben von Büchern. Auch war er für verschiedene Rundfunkanstalten tätig.
1956 übernahm er die Leitung des Goethe-Instituts in München.
Während der Auslandsjahre und als Direktor des Goethe-Instituts bereiste Richard Wolf beinahe die ganze Welt. In seinen zahlreichen Werken lässt er den Leser an seinen Erlebnissen teilhaben.
Ehrungen:
1937 Goethe-Medaille in Silber
1962 Bundesverdienstkreuz Erster Klasse
1965 Goethe-Medaille in Gold
1988 Eichendorff-Literatur-Preis
In seinem letzten Buch, kurz vor seinem Tod erschienen, „Die Welt mit ihrem Gram und Glück“, beschreibt er die Heimkehr nach Deutschland und seine Zeit in Bad Liebenzell.
Als Spätheimkehrer kam er schmutzig und zerlumpt hier an, fand zunächst Unterkunft bei der Mission. (Durch seine Aufenthalte in China und Japan bestanden langjährige Beziehungen.)
Er schreibt:
„Am nächsten Morgen stand ich vorm Leiter der Liebenzeller Schule und wurde eine Weile stumm gemustert. ... Melden Sie sich in Calw! Erst beim Franzosen. Dann beim Schulrat. ...
Nach Calw. Das kostete Geld. ...
Nicht zu Fuß! hatte Else (seine Frau) gesagt. Das hältst du doch nicht aus.
Sie holte aus dem Versteck eine Mark und wir einigten uns: hin zu Fuß, zurück mit der Bahn.
... Als ich im Calwer Rathaus die Treppe zum Schuloffizier betrete, stehen zwei marokkanische Soldaten neben mir. Greifen in alle Taschen. Tasten mich ab. Im Büro, hinterm Schreibtisch, hinter der Zeitung der Schuloffizier. Hinter mir kein Stuhl, sondern ein bewaffneter brauner Soldat.“
Wolf, der sich zunächst „illegal“ in Liebenzell aufhielt, wird zu niederer Arbeit verdonnert:
zum Ausbessern der Landstraßen. Durch einen Bekannten findet er Kontakt zur Redaktion
der Jugendzeitschrift „Glocke“, die ihren Sitz in Hirsau hatte und schreibt erste Artikel. Im Volksbildungswerk in Calw hält er Vorträge. Er wird Organist und Dirigent des Männergesangsvereins Liebenzell.
„Die Sänger: lauter gestandene Männer, Schneider und Schuhmacher, Metzger, ein Uhrmacher, ein Fabrikbesitzer, ein Angestellter vom Rathaus. Sie alle freuen sich auf diesen Abend, auf die Wiedergeburt ihres Männergesangsvereins. ...
Es schlug acht, als ich die Krone betrat. Die Sänger hatten sich in der Vorhalle versammelt, feierlich bekleidet wie am Sonntag. Jeder gab mir die Hand und sagte seinen Namen. Der gute Anzug - ich spürte, wie ernst sie diesen Abend nahmen, ihren Feier-Abend. Und sie alle waren mit der Musik befreundet. Mit der nie versagenden Trösterin.
Ein Jahr ist vergangen, ...
Dem Schulrat ist es gelungen, den nirgends aktenkundigen Wolf zum Lehrer an der hiesigen Mittelschule zu machen. Und der neue Pfarrer hat nicht geruht, ehe er nicht den fast aufgelösten Kirchenchor wieder zusammengeholt hatte. ...
Wenn ich Schule halte, ja, ich darf, stehen meine Schüler auf und beten mit mir: Gib, dass ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret. ...“
Als Richard Wolf ans Goethe-Institut nach München berufen wurde, hatte er viele schlaflose Nächte, in denen er sich überlegte, ob er das liebgewordene Liebenzell verlassen solle.
„Danach aber jene schlaflosen Nächte, in denen ich anfing, Abschied zu nehmen. Dieser schönen, stillen Stadt Adieu zu sagen. Adieu, das heißt mit Gott ... Ach, du liebe Stadt in der vom Wald umkränzten, von der Nagold durchwanderten grünen Mulde! ... Du liebe Stadt!“
Im Jahre 1954 hat Richard Wolf unter der großen Tanne am Kaffeehof
dieses wunderschöne Gedicht über Bad Liebenzell geschrieben.
Schöner weiß ich nicht die Welt ...
Tret ich in das grüne Zelt,
Tannenzeit, an Berges Rand,
schau hinaus, hinab ins Land:
schöner weiß ich nicht die Welt.
Aus dem tiefen Wäldermeer,
aus dem dämmerblauen Schweigen,
Traum und Lied aus tausend Zweigen,
rauscht es leise zu mir her.
Unter mir das stille Tal,
blinkend kommt der Fluß gezogen,
hingeschmiegt in seinen Bogen,
ruht die Stadt im Morgenstrahl.
Ruht in ihrer Wohlgestalt
und vom Morgenlicht verschönt,
Haus bei Haus, burgüberkrönt,
rings umschwiegen von dem Wald.
Wie er auch umfangen hält:
Turm und Tal, heilende Quell,
altes, wertes Liebenzell - -
schöner weiß ich nicht die Welt!
Richard Wolf
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